Der unter Denkmalschutz stehende Gebäudekomplex Salzmannschule, im Jahre 1784 durch Christian Gotthilf Salzmann gegründet, ist das älteste noch erhaltene Philanthropin Deutsch­lands. Salzmann lebte von 1744 bis 1811, war also ein Zeitgenosse von Goethe, Schiller und Kant. Als Salzmann mit dem Bau des Hauses 1 auf dem sorgsam ausgesuchten Gelände am Fuße des Thüringer Waldes begann, interpretierte Immanuel Kant in seinem berühmten Artikel "Was ist Aufklärung?" das sapere aude als "Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!". Das war der Wahlspruch der Aufklärung,  auch für unseren Schulgründer. Er war ein unabhängiger Geist. D.D.H. steht über dem Eingang von Haus 1: Denke, Dulde, Handle. Denke im Sinne von "bediene dich deines eigenen Verstands", Dulde im Sinne von Toleranz üben gegenüber seinen Mitmenschen und Handle im Sinne des Spaten­s in diesem Emblem, denn "Wer den Spaten führt, spricht nicht viel von dem, was er tut, sondern tut es" (Salzmann).

Der studierte evangelische Theologe Salzmann, der als Pfarrer in Rohrborn und der Andreaskirche in Erfurt wirkte, bevor er nach Dessau an das von Basedow gegründete erste deutsche Philanthropin als Liturg und Religionslehrer wechselte, war auch ein begnadeter Geschäftsmann. Anders ist nicht zu erklären, wie er mit dem geringen Startkapital, das ihm Herzog Ernst von Gotha-Altenburg zur Verfügung stellte, die Anstalt errichten und betreiben konnte. Darüber hinaus war er auch ein überaus erfolgreicher Volksschriftsteller. Heute noch aufgelegt werden eine Reihe ausgewählter Texte in "Pädagogische Welt - Salzmanns Schnepfenthal" (Hrsg. Leonhard Friedrich, edition Paideia, Jena 2008), zu denen auch "Konrad Kiefer oder Anweisung zu einer vernünftigen Erziehung der Kinder" und das "Ameisenbüchlein oder Anweisung zu einer vernünftigen Erziehung der Erzieher" gehören. Sein satirisches "Krebsbüchlein oder Anweisung zu einer unvernünftigen Erziehung der Kinder" erschien in Pädagogische Quellentexte (Hrsg. Reinhard Stach, Dieck 1996). Der Reichl Verlag legt sein "Krebsbüchlein" und das "Ameisenbüchlein" sowie "Der Himmel auf Erden" auf. Die genannten Beispiele erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Zur aktuellen Salzmann-Forschung sei insbesondere auf die wissenschaftliche Monografie über "Die Religions-Pädagogik Christian Gotthilf Salzmanns" von Prof. Dr. Dr. Rainer Lachmann, Universität Bamberg, verwiesen.

Der Göttinger Pädagoge und Philosoph Herman Nohl schrieb 1959 in seinem Büchlein "Erziehergestalten", Salzmann sei "der einzig wirkliche Pädagoge großen Stils, eine wunderbar einfache, klare Gestalt, die alle besten Impulse der Aufklärung und ihre ganze pädagogische Energie zusammenfasst.“ Diese kleine Würdigung von Salzmanns Wirken sei mit seiner zeitlosen pädagogischen Maxime geschlossen: "Von allen Fehlern und Untugenden seiner Zöglinge muss der Erzieher den Grund in sich selbst suchen."

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